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| Königsbrücker muss leben! |
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Dr. Martin Schulte-Wissermann
Über die künftige Gestaltung der Königsbrücker Straße soll laut Erstem Bürgermeister und Stellvertreter der Oberbürgermeisterin, Dirk Hilbert, noch bis zur Sommerpause eine Entscheidung im Stadtrat herbeigeführt werden (Sächsische Zeitung vom 18.05.2011). Dieser Prozess wird ein ausgesprochen spannender, denn in der Frage der Ausgestaltung der Königsbrücker Straße stehen sich die Fraktionen von CDU und FDP auf der einen Seite, und die von SPD, Bündnis90/DieGrünen und die Linke auf der anderen Seite unversöhnlich gegenüber. Erstere favorisieren einen stadtautobahnähnlichen vierspurigen Ausbau, die anderen wollen einen zweispurigen Ausbau mit überbreiten Fahrspuren und einem weitestgehend eigenen Gleisbett für die DVB (Kompromiss 2006). Was aber keines der beiden Lager öffentlich sagt, ist, dass beide Varianten einen erheblich negativen Einfluss auf die Lebensfähigkeit und Funktionalität dieser wichtigen, das Hechtviertel und die Äußere Neustadt verbindende Hauptgeschäftsstraße haben. In beiden Fällen wird die Gesamtstraßenbreite der Königsbrücker von jetzt ca. 10 m auf über 20 m mehr als verdoppelt, fällt mehr als 70% des jetzigen Baumbestands, und reduziert sich die Anzahl der Parkplätze erheblich. Und in beiden Fällen müssen sich Fußgänger, Kinderwagen, Senioren, lokaler Radverkehr, Auslagen der Einzelhändler, Tische der Cafés, DVB-Kunden und Anlieferer auf dem dann noch verbleibenden schmalen Gehweg drängeln. Dabei sind die überbreiten und überdimensionierten Planungen aus der Vergangenheit aus heutiger Sicht nicht mehr notwendig. Fakt ist: der Kraftfahrzeugverkehr auf der Königsbrücker ist bereits in den letzten Jahren stark rückläufig gewesen - und wird weiter zurückgehen. Planungen aus der Zeit vor dem Bau der Waldschlößchenbrücke und vor Verabschiedung des Luftreinhalteplans sind heute veraltet und müssen neu überdacht werden. Dies schließt insbesondere auch den „Zweispur-Kompromiss von 2006“ mit ein! Mit diesem Beitrag möchte ich dazu anregen, dass die Diskussion über die Königsbrücker wieder versachlicht wird und sich insbesondere von den jetzigen Rahmenbedingungen leiten lässt. Des weiteren stelle ich meinen Vorschlag für den Ausbau der Königsbrücker öffentlich zur Diskussion: Einen wirklich stadtteilverträglichen und für alle Nutzer dieser wichtigen Geschäftsstraße vorteilhaften Ausbau „weitestgehend im Bestand“. Lesen sie die ausführliche Begründung durch einen Klick auf den „Weiterlesen“-Button weiter unten links. Die Vorlage zum vierspurigen Ausbau sowie die detaillierten Pläne der vierspurigen und der zweispurigen Variante mit überbreiten Fahrspuren können Sie unter den folgenden Links herunterladen: Download (73 KB): Text der Vorlage zum vierspurigen Ausbau (Variante 5, 2011) Download (14 MB): Pläne der vierspurigen und zweispurigen Variante (Download bereitgestellt von den Königsbrücker-Seiten von Anton Launers "Neustadtgeflüster") Der Ausbau der Königsbrücker Straße beschäftigt Dresden seit fast 20 Jahren. Ein vom Stadtrat im Jahr 2000 gefasster Beschluss zu einem sechsspurigen Ausbau (4 Autospuren und ein separates zweispuriges Gleisbett, kein Radweg) wurde von dem damaligen Regierungspräsidium (jetzt Landesdirektion) nach hunderten von Bürgereinwendungen nicht genehmigt. Im Jahr 2006 hat der Stadtrat mit einem fraktionsübergreifenden Votum eine Kompromissvariante beschlossen. Das Wort „Kompromiss“ wurde fortan benutzt, um ein positives und nach Ausgleich klingendes Bild dieser Ausbauvariante zu transportieren. Allein, der „Kompromiss“ wurde zwischen den absurden Ausbauplänen aus dem Jahr 2000 (CDU/FDP) und den, sagen wir es freundlich, damals nicht wirklich den Stadtrat dominierenden Fraktionen der SPD, Grünen und Linken geschlossen. Um es deutlich zu sagen: in der Kompromissvariante 2006 steckt ein großer Teil Autolobby. Auch hier wird sich die Gesamtstraßenbreite der Straße von jetzt ca. 10 m auf über 20 m mehr als verdoppeln. Diese Ausbauvariante ist daher alles andere als stadtteilverträglich - zwei überbreite Fahrspuren (5.50 m) und ein eigenes Gleisbett bedeuten ein Straßenbild wie es momentan vor dem ehemaligen Rudolf-Harbig Stadion anzutreffen ist - nur noch um weitere vier Meter breiter! D.h. auch mit der Kompromissvariante wird die Königsbrücker zu einer lebensfeindlichen Beton- und Asphaltwüste mit gravierenden Auswirkungen für Fußgänger, Radfahrer, Anlieger, Grundstückseigentümer, Einzelhandel und Gastronomie. Es wird auch in der Kompromissvariante bewusst in Kauf genommen, das Leben und die Be- und Erlebbarkeit dieser Geschäftsstraße zu vernichten. Für die Kompromissvariante ist im Jahr 2009 das Planfeststellungsverfahren eröffnet worden. Dieses wurde aber von der Oberbürgermeisterin Helma Orosz Ende 2009 unter dem Vorwand gestoppt, dass man zunächst die Veröffentlichung der Verkehrsprognose 2025 abwarten müsse. Angeblich befürchtete Frau Orosz, dass selbst der überbreite Ausbau nach der Variante 2006 zu klein sein könnte. Die Verkehrsprognose 2025 liegt nun vor. Aus ihr geht deutlich hervor, dass es künftig nicht zu einer Steigerung des Kfz-Verkehrs kommen wird. Im Gegenteil, es wird in den nächsten 15 Jahren zu einer deutlichen Reduktion des Verkehrsflusses kommen. Konkret: in den 1990er Jahren fuhren 50% mehr Kraftfahrzeuge auf Teilen der Königsbrücker Straße als im Jahr 2025 fahren werden. ![]() Ungeachtet der Reduktion der zu erwartenden Verkehrsbelastung beharrt das FDP-geführte sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr auf einem im Vergleich zur Kompromissvariante 2006 sogar noch verbreiterten Ausbau der Königsbrücker Straße mit durchgängig vier Kfz Spuren. Aufgrund dessen wurde 2010/2011 eine neue Planung mit ebendiesen durchgängig vier Kfz Spuren durchgeführt und bereits den Stadtratsfraktionen vorgestellt (so genannte Variante 5, kurz „V5“). Zwar ruht dieses Verfahren derzeit offiziell; laut Erstem Bürgermeister Dirk Hilbert soll jedoch in der Frage des Ausbaus der Königsbrücker Straße noch bis zur Sommerpause eine Entscheidung im Dresder Stadtrat herbeigeführt werden. Die Zeit drängt also gewaltig, wenn man diese für die Neustadt und das Hechtviertel wichtige Lebensader als von Anwohnern, Bürgern und Gewebetreibenden angenommene Hauptgeschäftsstraße erhalten, und in ihrer Funktionalität verbessern möchte. Die Hoffnung auf einen wirklich stadtteilverträglichen Ausbau der Königsbrücker Straße ist aber momentan gering, da sich in den vergangenen Jahren beide Lager - die Vertreter der Varianten „vierspurig“ (CDU/FDP) und „zweispurig mit überbreiten Fahrspuren“ (SPD/Grüne/Linke) - in ihren politischen Schützengräben verschanzt haben. Ich habe in vielen Gesprächen mit Vertretern aller Fraktionen im Dresdner Stadtrat in den letzten Monaten den Eindruck gewonnen, dass beide Lager lediglich nur noch daran interessiert sind, einen „politischen Sieg“ zu erringen, indem auf der Verpackung das Label „zweispurig“ oder „vierspurig“ zu stehen habe. Welche tatsächlichen Auswirkungen sich in beiden Varianten für die Bürger vor Ort - also diejenigen, die hier in unserem Viertel leben – ergeben, wird entweder ignoriert, oder mit einem Handstrich zur Seite gedrückt. Dabei haben sich die Rahmenbedingungen für die Planung der Königsbrücker Straße seit 2006 grundlegend verändert:
Aus diesen Gründen muss die Königsbrücker Straße aus heutiger Sicht nicht mehr mit überdimensionierten Kfz-Spuren geplant und gebaut werden. Vielmehr kann und sollte sie "im wesentlichen im Bestand" saniert werden. Natürlich muss man dabei die heutigen Anforderungen an eine Hauptgeschäftsstraße und ihre Nutzer beachten. Dies kann aber mit geringen Modifikationen verglichen mit der jetzigen Verkehrsführung realisiert werden:
Abschließend noch eine Zusammenstellung weiterer wichtiger Vorteile einer „Königsbrücker im Bestand“, ohne dass die Liste einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:
Ich hoffe, mit den oben genannten Punkten einen kleinen Anstoß in der Diskussion um den Ausbau der Königsbrücker geben zu können. Mehr kann ein Ortsbeirat ohne Stimmrecht im Stadtrat nicht ausrichten. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass auch ein Ortsbeirat sich offensiv und direkt artikulieren muss, wenn er gravierende städtebauliche Fehlentwicklungen in seinem Stadtviertel feststellt und vermeiden will. In diesem Sinne rufe ich die Vertreter der vierspurigen Variante auf, ihre von längst überholter Verkehrsideologie geleiteten Wünsche nach Stadtautobahnen in Wohn- und Geschäftsstraßen aufzugeben, und sich stattdessen verkehrsplanerisch der heutigen von Sachzwängen gegebenen Realität wenigstens anzunähern. Nicht purer Straßenbau löst die Verkehrsprobleme der Zukunft, sondern nur ein differenzierter Ansatz, der die Belange aller Nutzer berücksichtigt. Nur so kann mittelfristig in einem sich verdichtenden urbanen Gebiet der Verkehr vom Auto auf Fuß-, Radverkehr und ÖPNV verlagert werden. Und den Überbreit-Zweispurigen möchte ich sagen, dass die Zeit des 2006er Kompromisses vorbei ist. Ich selbst habe noch 2009 für die überbreite Variante Demonstrationen angemeldet und bin dabei mehrmals mit dem Megaphon über die Königsbrücker geradelt. Ich habe damals vielen Leuten erzählt, dass es sich lohnt, für eine zweispurig-überbreite Königsbrücker zu kämpfen. Heute schäme ich mich dafür, dem Wort „zweispurig“ mehr Bedeutung geschenkt zu haben als dem, was mein Auge auf den Bauplänen gesehen hat. Dies war aber bevor die Verkehrsprognose 2025 publiziert worden war, und auch bevor der neue Luftreinhalteplan beschlossen wurde. Jetzt bin ich überzeugt, dass sich die Welt weitergedreht hat. Heute ist 2011 und nicht mehr 2000, 2006 oder 2009. Die Randbedingungen haben sich so sehr verändert, dass man an dem 2006er Kompromiss bei vernünftiger Betrachtung einfach nicht mehr festhalten kann. Ich habe mich entschieden und werde mit aller Kraft für einen wirklich stadtteilverträglichen Ausbau der Königsbrücker Straße werben. Königsbrücker muss leben! Dr. Martin Schulte-Wissermann Verkehrspolitischer Sprecher Ortsbeirat Dresden Neustadt Bürgerbündnis Dresden Email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. (Download bereitgestellt von den Königsbrücker-Seiten von Anton Launers "Neustadtgeflüster") |

Dr. Martin Schulte-Wissermann

Kommentare
Besten Gruß!
Christoph Meyer (SPD, Ortsbeirat seit 2004)
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